{"id":1180,"date":"2015-11-01T19:58:02","date_gmt":"2015-11-01T17:58:02","guid":{"rendered":"https:\/\/0x0a.li\/?p=1180"},"modified":"2023-04-04T12:39:05","modified_gmt":"2023-04-04T10:39:05","slug":"gregor-weichbrodt-no-offense","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/0x0a.li\/de\/gregor-weichbrodt-no-offense\/","title":{"rendered":"Gregor Weichbrodt: No Offense"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine Version dieses Essays erschien im Programmheft von Gregor Weichbrodts Salon bei <a href=\"http:\/\/roomandboard.nyc\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Room &amp; Board<\/a> am 29. Oktober 2015. Julia Pelta Feldman ist die Leiterin von Room &amp; Board, einer K\u00fcnstlerresidenz in Williamsburg, Brooklyn. <\/em><\/p>\n<p>Gregor Weichbrodt besuchte vor einiger Zeit eine Bekannte in Berlin. Er wusste, dass sie des \u00d6fteren internationale G\u00e4ste bei sich unterbringt, aber Weichbrodt, der die Dinge der Wohnung mit ihren eigenen Bezeichnungen beschriftet fand, f\u00fchlte sich dennoch mit einem Mal orientierungslos. <em>Der K\u00fchlschrank<\/em> stand auf dem K\u00fchlschrank; <em>die Wand<\/em> an der Wand. Nat\u00fcrlich waren diese W\u00f6rter da, um Besuchern beim Deutschlernen zu helfen, aber f\u00fcr den Muttersprachler Weichbrodt hatte diese Erfahrung eine surreale Qualit\u00e4t: Die redundanten Erkl\u00e4rungen entfremdeten ihn von diesen vertrauten, h\u00e4uslichen Dingen.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Ich war mir Weichbrodts Orientierungslosigkeit, die ihn bei seinem New-York-Besuch befallen haben muss, nicht bewusst \u2013 bis er mir vorschlug, dieselbe Behandlung der Wohnung zuteil werden zu lassen, die <em>Room &amp; Board <\/em>beherbergt, wo er f\u00fcr diesen Monat <em>artist-in-residence<\/em> war. Er hat dabei einige neue englische W\u00f6rter gelernt, aber das Hauptziel war nicht, ihm Orientierung zu verschaffen, sondern alle anderen zu desorientieren und durch diese \u00fcberfl\u00fcssige Offensichtlichkeit seine Entfremdungserfahrung mitzuteilen. So l\u00e4sst er englische Muttersprachler sich wie Fremde in ihrer angestammten Umgebung f\u00fchlen und erinnert an sein eigenes st\u00e4ndiges Bewusstsein davon, nicht hierher zu geh\u00f6ren. (Weichbrodt hat die Angewohnheit, auf Korrekturen seiner Aussprache mit \u00bbsorry\u00ab zu antworten. Dass er wirklich verlegen ist und gleichzeitig wei\u00df, dass er es nicht sein muss, scheint die Tatsache nahe zu legen, dass er in letzter Zeit dazu \u00fcbergegangen ist, diese Praxis bis zur Pr\u00e4ventivs\u00fchne hin eskalieren zu lassen und entschuldigend erkl\u00e4rt: \u00bbI\u2019m German \u2013 no offense.\u00ab)<\/p>\n<p>Die sprachliche Redundanz der Etiketten ist eine ideales hors d\u2019\u0153uvre f\u00fcr Weichbrodts Werk, das sehr oft gleichzeitig zu viel und zu wenig Sinn ergibt. Wie bei seiner Begegnung mit dem beschrifteen Apartment liegt das Bizarre nicht in der Fremdheit der Sprache, sondern in ihrer Vertrautheit. Genau hierin wurzelt Apollinaires Gef\u00fchl von <em>une sorte de surr\u00e9alisme<\/em>, von den meisten Witzen ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Trotzdem war ich \u00fcberrascht, dass Weichbrodt seine pers\u00f6nlichen Erfahrungen \u00fcberhaupt mitteilen wollte. Selbst in seiner Muttersprache neigt er nicht dazu, seine eigene Subjektivit\u00e4t in den Vordergrund zu r\u00fccken. In seinem Werk \u2013 das oft dezidiert eine Ichperspektive einnimmt \u2013 vermeidet er sie vollkommen. Das gilt besonders f\u00fcr seine englischen Texte, f\u00fcr deren Eigenschaften er nur teilweise verantwortlich ist.<\/p>\n<p>Meine erste Begegnung mit Weichbrodt spielte sich online ab. F\u00fcr sein Buch <em><a href=\"https:\/\/0x0a.li\/text\/i-dont-know\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">I Don\u2019t Know<\/a><\/em>, das Anfang dieses Jahres herauskam, brauchte er die Hilfe eines englischen Muttersprachlers, um eine Reihe von Unwissenheit ausdr\u00fcckenden S\u00e4tzen vorzuschlagen, mit denen er seinen Text bauen konnte. Weichbrodt hatte ein Script in der Programmiersprache Python geschrieben, das sich von einem gegebenen Ausgangspunkt durch Wikipedia schl\u00e4ngelt und dabei eine Liste von Artikeltiteln erstellt, die jenem Klickloch nicht un\u00e4hnlich ist, in das wir immer wieder fallen (oder ist es vielleicht eher wie der <em>stream of consciousness<\/em> des Internetbrowsers?). Aber das Motiv hinter <em>I Don\u2019t Know<\/em> war, auf diesem Weg jegliches Wissen abzustreiten: \u00bbI\u2019m not well-versed in Literature. Sensibility \u2013 what is that? What in God\u2019s name is An Afterword? I haven\u2019t the faintest idea. And concerning Book design, I am fully ignorant. What is \u203aA Slipcase\u2039 supposed to mean again, and what the heck is Boriswood?\u00ab (1)<\/p>\n<p>Weichbrodts Kollaborateur bei 0x0a, dem zweik\u00f6pfigen Literaturkollektiv, aus dem <em>I Don\u2019t Know <\/em>hervorging, ist Hannes Bajohr, der mich fragte, ob ich mit einigen S\u00e4tzen aushelfen k\u00f6nne. Mir machte das au\u00dferordentlich Spa\u00df und so lieferte ich eine lange Liste. <em>What in the world, who the hell, where the fuck\u2026? I haven\u2019t the foggiest idea.<\/em> Das Ergebnis meines Enthusiasmus ist, dass der Text manchmal wohl oder \u00fcbel ein wenig nach mir klingt (\u00bbI\u2019ve never heard of People from Berlin. Is Heinz Schweizer famous or something? Who the shit is Alfred D\u00fcrr?\u00ab (229)) Ich f\u00fchle mich ein bisschen schuldig, dass ich meine Fingerabdr\u00fccke auf Weichbrodts Arbeit hinterlassen habe, aber er scheint nichts dagegen zu haben. Sein Ego kann den Gang dieser Arbeit nicht st\u00f6ren; meines noch weniger.<\/p>\n<p>In <em>I Don\u2019t Know<\/em> erstreckt sich das unerbittlich behauptete Unwissen des Erz\u00e4hlers vom Absurden \u2013 \u00bbI don\u2019t know what people mean by \u203aA Building\u2039\u00ab (6) \u2013 \u00fcber das H\u00f6hnisch-Absch\u00e4tzige \u2013 \u00bbDo people even go to London?\u00ab (5) \u2013 bis zum v\u00f6llig Vern\u00fcftigen: \u00bbVinca alkaloids are unfamiliar to me. And I\u2019m sorry, did you say \u203aVinpocetine\u2039?\u00ab (282) Oft untergr\u00e4bt der Text seinen eigenen Anspruch: \u00bbI\u2019m completely ignorant of Art Deco architecture in Arkansas. Can you tell me how to get to The Drew County Courthouse, Dual State Monument, Rison Texaco Service Station or Chicot County Courthouse?\u00ab (212) Wenn der Erz\u00e4hler von <em>I Don\u2019t Know <\/em>nichts wei\u00df, dann wei\u00df er doch eine ganze Menge mehr \u00fcber die Architekturgeschichte von Arkansas als ich. <a class=\"masterTooltip\" title=\"An dieser Stelle ist es sogar noch wichtiger als sonst darauf zu bestehen, dass der Autor nicht der Erz\u00e4hler ist. Weichbrodt kann es gar nicht sein; er hat das Buch nicht einmal gelesen.\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><span style=\"color: #ff0000;\">[1]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Und doch wissen Computer, wie sie uns immer wieder durch ihre entsetzliche Dummheit in Erinnerung rufen, so gut wie nichts. Das Python-Programm, das <em>I Don\u2019t Know<\/em> generiert, macht keinen Unterschied zwischen gesundem Menschenverstand und obskuren Daten. Ein \u00e4hnlicher Mechanismus ist in der Arbeit <em>Holiday<\/em> am Werk, die Weichbrodt den bei seinem Salon versammelten G\u00e4sten vorf\u00fchrte. <em>Holiday<\/em> nimmt bei der Post-Internet-Pr\u00e4misse seinen Ausgang, dass dokumentieren wichtiger als erfahren ist: Was ist Urlaub, wenn nicht Fotos mit witzigen Bildtexten? Genau das liefert <em>Holiday<\/em>: Fotos von Google Maps von wahllos ausgesuchten, als Wahrzeichen markiert Orten, und Texte, gewonnen aus der Anwendung der noch unausgereiften Bilderkennungssoftware <a href=\"http:\/\/imagga.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Imagga<\/a> auf diese Fotos.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1187\" src=\"https:\/\/0x0a.li\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/12118682_10207159932870665_3474021428759764015_n.jpg\" alt=\"12118682_10207159932870665_3474021428759764015_n\" width=\"640\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/0x0a.li\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/12118682_10207159932870665_3474021428759764015_n.jpg 640w, https:\/\/0x0a.li\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/12118682_10207159932870665_3474021428759764015_n-150x150.jpg 150w, https:\/\/0x0a.li\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/12118682_10207159932870665_3474021428759764015_n-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Indem der Sinn des Reisens aus seiner tats\u00e4chlichen Aktivit\u00e4t herausdestilliert wird, erinnert der Erz\u00e4hler von Weichbrodts <em>Holiday<\/em> an einen literarischen Vorg\u00e4nger, Jean des Esseintes, jenen an\u00e4mischen Adligen aus Joris-Karl Huysmans Roman <em>Gegen den Strich <\/em>(1884). <a class=\"masterTooltip\" title=\"Ich m\u00f6chte Dr. Maureen Pelta f\u00fcr diesen Hinweis danken.\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><span style=\"color: #ff0000;\">[2]<\/span><\/a> Des Esseintes, der Endpunkt eines alten, inzestu\u00f6sen Adelsgeschlechts, ist so von <em>ennui <\/em>aufgezehrt, dass ihn selbst Dekadenz Langeweile bereitet. Mit Drucken von Moreau und Redon und Mallarm\u00e9-Prachtausgaben kapselt er sich von der Welt ab und anstatt sein Zuhause zu verlassen, simuliert er das Reisen mit Nippes, Bildern und B\u00fcchern, die andere L\u00e4nder heraufbeschw\u00f6ren: \u00bbFortbewegung kam ihm ohnedies \u00fcberfl\u00fcssig vor, die Vorstellungskraft schien ihm leicht die vulg\u00e4re Realit\u00e4t der Tatsachen ersetzen zu k\u00f6nnen.\u00ab <a class=\"masterTooltip\" title=\"Joris-Karl Huysmans, Gegen den Strich, M\u00fcnchen: DTV 1995, S. 31.\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><span style=\"color: #ff0000;\">[3]<\/span><\/a><\/p>\n<p>Aber f\u00fcr des Esseintes\u2019 Lehnstuhlexkursionen sind immer noch Anstrengungen der Fantasie vonn\u00f6ten. Wer hat die Zeit oder die Kraft dazu? Weichbrodts <em>Holiday<\/em> verbessert des Esseintes\u2019 Modell, indem es dieses letzte Beschwernis entfernt: Das Script \u00fcbernimmt die Arbeit der Fantasie, die selbst schon des echte Erleben ersetzt hatte. (Wenn das Erg\u00f6tzen an der Realit\u00e4t noch verfeinert wird, indem man sie von ihren chaotischen und unn\u00f6tigen Aspekten reinigt, dann ist Weichbrodt \u2013\u00a0indem er am Ende auch dieses Erg\u00f6tzen hat obsolet werden lassen \u2013 der ultimative Connaisseur.) \u00bbReisen\u00ab ist f\u00fcr gew\u00f6hnlich die wesentlichste Verk\u00f6rperung dessen, was wir Erfahrung nennen. Aber ihr Vergn\u00fcgen, wie Huysmans bemerkt, ist so beschaffen, dass es es \u00bbeigentlich nur in der Erinnerung gibt und nahezu nie in der Gegenwart, nie eben in der Minute, in der es sich ereignet.\u00ab<a class=\"masterTooltip\" title=\"Ebd.\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span style=\"color: #ff0000;\">[4]<\/span><\/a> So gesehen hat Weichbrodt einen Sieg \u00fcber die Erfahrung selbst errungen.<\/p>\n<p><em>Holiday <\/em>zeigt auch, dass das, was mir \u00fcberfl\u00fcssig offensichtlich erscheint \u2013\u00a0die Namen der K\u00fcchenger\u00e4te etwa \u2013 f\u00fcr jemanden ohne mein Wissen und meine Erfahrung keineswegs evident sein kann. Wer ein Fremder in einem fremden Land ist, kennt das Gef\u00fchl. Wie muss sich ein Computer f\u00fchlen, der nur wei\u00df, was ihm gesagt wird, und ganz ohne des Esseintes\u2019 Einbildungskraft auskommen muss. Die Beobachtungen des Erz\u00e4hlers in <em>Holiday<\/em> variieren daher vom \u00dcberfl\u00fcssigen zum Fadenscheinigen: Ob der Algorithmus nun etwas erkennt, das offensichtlich da ist, oder etwas Abwesendes zu erfinden scheint \u2013\u00a0er hat in jedem Fall den Sinn des Fotos verfehlt.<\/p>\n<p>Der Wechsel vom Bild zum Text in <em>Holiday<\/em> betont die Niederlagen, die \u00dcbersetzungen erleiden k\u00f6nnen: Die Arbeit w\u00e4re weniger interessant, w\u00e4re diese noch junge Technologie erfolgreicher. Diese Misserfolge sind der Kern von vielem, was 0x0a hervorbringt. <a class=\"masterTooltip\" title=\"Als weiteres Beispiel vergleiche man Bajohrs \u00bbMaschinensprache\u00ab-Arbeiten, f\u00fcr die ein Gedicht, das laut eine Computerstimme vorliest, wieder von einem Spracherkennungsprogramm, das auf eine andere Sprache eingestellt ist, erkannt wird. Tristan Tzaras\u00a0\u00bbPour faire un po\u00e8me dada\u00efste\u00ab wird so zu \u00bbProfound brand at least\u00ab (die je ersten Zeilen lauten: \u00bbPrenez un journal \/ Prenez des ciseaux\u00ab; \u00bbfinancial night \/ we need to see Sue\u00ab) (http:\/\/hannesbajohr.de\/profound-brand-at-least-pour-faire-un-poeme-dadaiste\/).\" href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span style=\"color: #ff0000;\">[5]<\/span><\/a> Aber gleichzeitig ist es ein Gemeinplatz, dass die Unzul\u00e4nglichkeiten von \u00dcbersetzungen auch ihre St\u00e4rke sind: ein neues Werk entsteht. Es scheint daher v\u00f6llig angemessen, dass Weichbrodts und Bajohrs neueste Arbeit, eine Kollaboration, das Problem der \u00dcbersetzung direkt angeht. Wenn jede \u00dcbersetzung unvollkommen ist, da sie immer eine Interpretation darstellt, dann m\u00fcssen mehr von ihnen auch mehr zum Verst\u00e4ndnis des Originals beitragen. Aus dieser freigiebigen Haltung heraus hat sich 0x0a entschieden, die Anzahl der auf Englisch verf\u00fcgbaren \u00dcbersetzungen von Kafkas unverzichtbarer Novelle <em>Die Verwandlung<\/em> zu verdoppeln (das Original feiert in diesem Jahr sein hundertj\u00e4hriges Jubil\u00e4um). Dieses Projekt, dessen erste Ergebnisse wir w\u00e4hrend des Salons h\u00f6ren durften \u2013 Weichbrodt las die ersten zwei Abs\u00e4tze von allen sieben neuen Texten \u2013\u00a0hei\u00dft nat\u00fcrlich <em>The Translation<\/em>. Es hei\u00dft so, weil \u00bbtranslation\u00ab ein Synonym von \u00bbVerwandlung\u00ab ist. Von hier aus wird klar, wie es weitergeht. In diesen neuen Interpretationen erwacht der wohlbekannte Gregor Samsa (no relation) und findet sich verwandelt in \u00bban atrocious varmint\u00ab, \u00bba monstrous pest\u00ab, \u00bba verminous glitch\u00ab, \u00bba lurid parasite\u00ab, \u00bban immoral louse\u00ab, \u00bba horrific vermin\u00ab und \u00bba mammoth worm\u00ab. Wie es viele von 0x0as Projekten nahelegen, ist es einfacher, etwas Neues zu schaffen, als den Sinn von Vorhandenem zu erkl\u00e4ren. (Digitale Literatur tr\u00e4gt seinen Teil dazu bei, die Tyrannei der Kreativit\u00e4t zu beenden.)<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" width=\"500\">\n<p lang=\"und\" dir=\"ltr\">A scandalous verminous glitch. Gregor Weichbrodt translates Kafka. <a href=\"https:\/\/t.co\/M3yW9mdLz2\">pic.twitter.com\/M3yW9mdLz2<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Ranjit Bhatnagar (@ranjit) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ranjit\/status\/659906461775065088\">October 30, 2015<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Warum aber nur sieben neue \u00dcbersetzungen? Warum das Projekt nicht unendlich machen, nie endend, wie die Permutationen der Sprache selbst? Die Ausf\u00fchrung mag unm\u00f6glich sein, aber die Frage ist erlaubt. In fast allen seinen Projekten k\u00e4mpft Weichbrodt nicht nur mit dem \u00dcberfluss des Materials, sondern auch mit der Unm\u00f6glichkeit eines echten Abschlusses. <em>Holiday<\/em> und <em>I Don\u2019t Know<\/em> k\u00f6nnten endlos fortfahren, oder zumindest beinahe. Diese Frage treibt auch <em><a href=\"https:\/\/0x0a.li\/de\/text\/chicken-infinite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chicken Infinite<\/a> <\/em>um, eine Kompilation von tausenden von Kochrezepten aus dem Internet, die in ein episches Kompendium von Zutaten und Anleitungen versammelt wurden (w\u00e4hrend des Salons wurde der Text von <em>Chicken Infinite<\/em> fortlaufend auf die K\u00fcchenwand projiziert).<\/p>\n<div id=\"attachment_1192\" style=\"width: 1011px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/0x0a.li\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Room-and-Board-06_Boguszewski_20151029-3281-e1446421512258.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1192\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1192 size-full\" src=\"https:\/\/0x0a.li\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Room-and-Board-06_Boguszewski_20151029-3281-e1446421512258.jpg\" alt=\"\" width=\"1001\" height=\"668\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1192\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Chicken Infinite&#8220; (Foto: \u00a9 Nate Boguszewski http:\/\/nbog.us)<\/p><\/div>\n<p>Auf diesen \u00dcberlegungen aufbauend schuf Weichbrodt w\u00e4hrend seines Aufenthalts auch eigens f\u00fcr Room &amp; Board ein Projekt: <em>B\u00c6BEL<\/em>. Auch hier geht es um Unendlichkeit. <em>B\u00c6BEL<\/em> enth\u00e4lt eine ehrfurchtgebietende Ansammlung und zuf\u00e4llige Vermischung aller online verf\u00fcgbaren IKEA-Bauanleitungen. <a class=\"masterTooltip\" title=\"Ich verstehe 'B\u00c6BEL' auch als eine Anspielung auf H\u00e4uslichkeit, Weichbrodts Sicht auf die famili\u00e4re Seite von Room &amp; Board (K\u00fcnstler leben, arbeiten und stellen ihre Arbeit in meinem Apartment vor), die auf die eine oder andere Weise bis jetzt jede von unseren 'residencies' inspiriert hat. (Vielleicht ist Weichbrodt auch von den Schwingungen beeinflusst worden, die vom Daniel Fishkins 'Bed Piece: Pelta Feldman Variation' ausgingen, einem musikalischen Bett, in dem den Monat \u00fcber geschlafen hat.)\" href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><span style=\"color: #ff0000;\">[6]<\/span><\/a> Das Ergebnis hat eine erstaunliche formale Sch\u00f6nheit, die durch seine Zusammenhanglosigkeit nur noch betont wird. Der Titel <em>B\u00c6BEL<\/em> suggeriert sowohl ma\u00dflosen Ehrgeiz \u2013\u00a0und folgte man den Anleitungen, was k\u00f6nnte der Zusammenbau aller IKEA-M\u00f6bel zu einem einzigen Ding anderes sein als ein Turm zu Gott? \u2013 als auch das dahinterstehe Versprechen universalen Verstehens: Die Macht IKEAs basiert darauf, \u00fcber Sprachen hinweg zu kommunizieren, weshalb diese Anleitungen v\u00f6llig ohne Worte und nur mit jenen strengen und eleganten Bildern auskommen. F\u00fcr den Salon war der gesamte Text von <em>B\u00c6BEL<\/em> auf eine begrenzte Auflage von Brosch\u00fcren aufgeteilt, jede einzelne ein Unikat.<\/p>\n<p>Letztendlich scheitert das Experiment nat\u00fcrlich: <em>B\u00c6BEL<\/em> l\u00f6st sich nicht in ein verstehbares Ganzes auf; der Exzess an Erkl\u00e4rungen resultiert wieder in Entfremdungsgef\u00fchlen. Schlie\u00dflich ist es nicht allein die Sprache, die Schuld an unserem Kommunikationsversagen hat. Weichbrodt wei\u00df das; deshalb hat er auch \u00bbdishwasher\u00ab auf die Sp\u00fclmaschine geschrieben.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> An dieser Stelle ist es sogar noch wichtiger als sonst darauf zu bestehen, dass der Autor nicht der Erz\u00e4hler ist. Weichbrodt kann es gar nicht sein; er hat das Buch nicht einmal gelesen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ich m\u00f6chte Dr. Maureen Pelta f\u00fcr diesen Hinweis danken.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Joris-Karl Huysmans, <em>Gegen den Strich<\/em>, M\u00fcnchen: DTV 1995, S. 31.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Als weiteres Beispiel vergleiche man Bajohrs <em><a href=\"http:\/\/hannesbajohr.de\/profound-brand-at-least-pour-faire-un-poeme-dadaiste\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Maschinensprache<\/a><\/em>-Arbeiten, f\u00fcr die ein Gedicht, das laut eine Computerstimme vorliest, wieder von einem Spracherkennungsprogramm, das auf eine andere Sprache eingestellt ist, erkannt wird. Tristan Tzaras\u00a0<em>Pour faire un po\u00e8me dada\u00efste<\/em> wird so zu <em>Profound brand at least<\/em> (die je ersten Zeilen lauten: \u00bbPrenez un journal \/ Prenez des ciseaux\u00ab; \u00bbfinancial night \/ we need to see Sue\u00ab).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ich verstehe <em>B\u00c6BEL<\/em> auch als eine Anspielung auf H\u00e4uslichkeit, Weichbrodts Sicht auf die famili\u00e4re Seite von Room &amp; Board (K\u00fcnstler leben, arbeiten und stellen ihre Arbeit in meinem Apartment vor), die auf die eine oder andere Weise bis jetzt jede von unseren <em>residencies<\/em> inspiriert hat. (Vielleicht ist Weichbrodt auch von den Schwingungen beeinflusst worden, die vom Daniel Fishkins <em>Bed Piece: Pelta Feldman Variation<\/em> ausgingen, einem musikalischen Bett, in dem den Monat \u00fcber geschlafen hat.)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Version dieses Essays erschien im Programmheft von Gregor Weichbrodts Salon bei Room &amp; Board am 29. Oktober 2015. Julia Pelta Feldman ist die Leiterin von Room &amp; Board, einer K\u00fcnstlerresidenz in Williamsburg, Brooklyn. Gregor Weichbrodt besuchte vor einiger Zeit eine Bekannte in Berlin. 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