{"id":1632,"date":"2021-11-24T18:44:57","date_gmt":"2021-11-24T16:44:57","guid":{"rendered":"https:\/\/0x0a.li\/?p=1632"},"modified":"2023-04-04T12:39:04","modified_gmt":"2023-04-04T10:39:04","slug":"neuer-titel-farcen-generator","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/0x0a.li\/de\/neuer-titel-farcen-generator\/","title":{"rendered":"Neuer Titel: Farcen-Generator"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1417\" style=\"float: left; padding-right: 30px;\" src=\"https:\/\/0x0a.li\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/FarcenGeneratorTitel.jpg\" alt=\"Farcen-Generator\" width=\"300\" \/>In der Reihe 0x0a \/ Frohmann Verlag ist ein weitere \u00dcbersetzung internationaler generativer Literatur erschienen: Lillian-Yvonne Bertrams Gedichtband <em>Farcen-Generator<\/em>, der 2019 als <em>Travesty Generator<\/em> bei <a href=\"http:\/\/www.noemipress.org\/catalog\/poetry\/travesty-generator\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Noemi Press<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>Hannes Bajohr hat es \u00fcbersetzt und mit Bertram gesprochen:<\/p>\n<p><strong>Was ist <em>Farcen-Generator<\/em>? Wie steht das Buch zu deinen anderen Arbeiten?<\/strong><\/p>\n<p><em>Farcen-Generator<\/em> ist genau genommen mein vierter richtiger Band mit Gedichten und anderen Texten. Keines meiner fr\u00fcheren B\u00fccher funktioniert generativ \u2013 aber alle meine B\u00fccher sind von einem Innovations- und Experimentiergeist gepr\u00e4gt. In diesem Sinne sind Rechenvorg\u00e4nge zwar nicht unbedingt Teil meiner fr\u00fcheren B\u00fccher, aber Algorithmen, Kombinationen und Versuchsanordnungen mit mathematischen Prozessen sind Teil meiner Arbeit und waren es von Anfang an. Meine fr\u00fcheren B\u00fccher \u203asehen\u2039 also nicht nach Computern aus, aber es gibt darin Gedichte, die aus einem rechnerischen und algorithmischen Denken stammen; Farcen-Generator ist eine Weiterentwicklung der experimentellen Affinit\u00e4ten in meiner gesamten Arbeit.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><strong>Welche Verbindung besteht zwischen der Form des Programmierens und dem Thema Schwarzen Lebens in deinem Buch?<\/strong><\/p>\n<p>Eine der Verbindungen, die ich zu ziehen versuche, ist die zwischen der gegenw\u00e4rtigen algorithmischen Ungerechtigkeit und der algorithmischen Ungerechtigkeit in der Geschichte, die in den USA die Form von kodifizierten Gesetzen annahm, die die Bewegungs- und Lebensm\u00f6glichkeiten von Schwarzen einschr\u00e4nkten. Einige dieser sozialen Codes waren Gesetze: Schwarze durften nicht aus denselben Trinkbrunnen trinken, nicht mit denselben Bussen fahren, nicht in denselben Vierteln wohnen wie Wei\u00dfe. Selbst nach der Aufhebung dieser Gesetze auf Bundesebene gab es noch informelle soziale Einschr\u00e4nkungen, die bestimmten, wo Schwarze (bequem) leben konnten, welche Jobs sie bekamen und welche Schulen sie besuchen konnten \u2013 wenn \u00fcberhaupt. Mit anderen Worten: Es gab erst eine staatlich verordnete und dann eine gesellschaftlich verordnete Apartheid. Diese Gesetze gibt es heute zwar nicht mehr, aber sie haben durch Algorithmen, Codierung und Technologie andere Formen angenommen \u2013 Beispiele sind \u203apredictive policing\u2039 oder Gesichtserkennungssoftware. Die restriktiven Codes wurden also nicht abgeschafft, sondern dank der \u203aBlackbox\u2039 der Technologie nur unsichtbarer gemacht. Und dann ist da noch die \u203akodierte Sprache\u2039, die Schwarze Menschen miteinander teilen, die ebenfalls in dem Buch vorkommt. Zach Whalen weist in einer Rezension f\u00fcr <a href=\"http:\/\/wg20.criticalcodestudies.com\/index.php?p=\/discussion\/99\/code-critique-book-review-travesty-generator-by-lillian-yvonne-bertram\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Critical Code Studies<\/em><\/a> darauf hin, dass die g\u00e4ngige Programmierschnittstelle die Form des Notizbuchs ist, das \u203aZellen\u2039 (<em>cells<\/em>) verwendet. Diese Zellen sind restriktiv, so wie auch rassistische Codes dazu gedacht sind, die physische und psychische Mobilit\u00e4t Schwarzer Menschen einzuschr\u00e4nken. Das Buch versucht, die \u00dcberschneidungen zwischen Computercode und dem, was kodifiziert ist und war, in Bezug auf das Leben von Schwarzen zu untersuchen.<\/p>\n<p><strong>In deinem Nachwort bezeichnest du dich selbst als \u00bbungeahnte Coderin\u00ab. Was ist damit gemeint?<\/strong><\/p>\n<p>Ich meine damit, dass ich in gewisser Weise eine \u203aunerwartete\u2039 und \u203aungeahnte\u2039 Person bin, die von den urspr\u00fcnglichen Gatekeepern der Informatik und des Programmierens nicht antizipiert wurde. Ich bin eine Schwarze Amerikanerin, und als ich aufwuchs, wurden mir M\u00f6glichkeiten wie Programmierung und Informatik gar nicht geboten, bzw.. ich (und andere) wurden aktiv davon abgehalten, weil wir nicht dem Typ Mensch entsprachen, von dem man erwartet, dass er sich f\u00fcr Computer und Programmierung interessiert. In diesem Sinne nehme ich also an einem Bereich und einem Diskurs teil, von dem nie erwartet oder imaginiert wurde, dass Personen wie ich daran teilhaben und unsere Perspektiven und sozialen Verpflichtungen einbringen w\u00fcrden.<br \/>\nDas Buch kann man bei uns und im Frohmann Verlag bestellen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/0x0a.li\/de\/text\/farcen-generator\/\">Zum Buch<\/a>; es kann <a href=\"https:\/\/frohmannverlag.de\/products\/farcen-generator?variant=40621473497199\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier im Frohmann Verlag<\/a> bestellt werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Reihe 0x0a \/ Frohmann Verlag ist ein weitere \u00dcbersetzung internationaler generativer Literatur erschienen: Lillian-Yvonne Bertrams Gedichtband Farcen-Generator, der 2019 als Travesty Generator bei Noemi Press ver\u00f6ffentlicht wurde. Hannes Bajohr hat es \u00fcbersetzt und mit Bertram gesprochen: Was ist Farcen-Generator? Wie steht das Buch zu deinen anderen Arbeiten? 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