Aktuell

Datenpoesie

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2018-04-23
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[Der folgende Text erschien am 27.2.2018 in der NZZ unter dem Titel »Unermüdlich dichtet das Maschinchen«.]

Digitale Literatur – was war das noch? Damals, tief in den neunziger Jahren, schwärmten Literaturwissenschaftler von der Hyperfiktion, von Texten ohne Zentrum, durch die sich der Leser selbst seine Pfade schlagen und per Link beliebig von Abschnitt zu Abschnitt gelangen konnte. Was aber einigen als Zukunft der Literatur erschien – in der sich vor allem liebgewonnene Konzepte der Postmoderne wiederfinden ließen –, war bald zu einem Genre ohne Leser und, schlimmer noch, ohne Produzenten geworden. Es gibt sie nicht mehr.

Und heute? Müsste in Zeiten der Digitalisierung die digitale Literatur nicht eigentlich das zentrale Genre der Gegenwart sein? In der Tat gibt es heute eine quicklebendige, aber nur wenig beachtete Szene. Anders als damals geht es nicht mehr darum, mehr oder minder konventionelle Texte durch Linkverzweigungen ihrer Linearität zu berauben. Heute wird der Computer selbst zum Textproduzenten. Das Ergebnis ist eine ganz andere Literatur, die von den Bedingungen des Digitalen erzählt, wie es ein klassischer Realismus nie könnte.

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Bots unter Generalverdacht

  • Gregor Weichbrodt
  • ·
  • 2017-01-12
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Bots haben Trump zum Wahlsieg verholfen, Bots gefährden die Demokratie, Bots sind böse, lese ich überall. Dabei könnten diese Aussagen selbst von einem Bot stammen. Mal ganz von vorn: Was sind Bots überhaupt?

[Dieser Text erschien zuerst auf Krautreporter am 1. Dezember 2016.]

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Vom Geist und den Maschinen

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2016-07-06
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[Dieser Text erschien zuerst auf dem Suhrkamp-Blog Logbuch Suhrkamp.]

Im letzten Jahr stellten Swantje Lichtenstein und Tom Lingnau einer Reihe von Autoren die Frage: Is the artist necessary for making art today? Was am Ende ein schmales Büchlein wurde, nahm seinen Ausgang mit dem Projekt Covertext, das sich dem Konzeptualismus und der Appropriation in der Literatur widmet. Vor diesem Hintergrund also wurde die Frage formuliert, welche Verbindung noch zwischen Künstler und Kunst besteht –, denn wenn in der konzeptuellen Literatur die Idee wichtiger als die Ausführung ist und wenn im reinen Sichaneignen und Kopieren fremden Materials keine Schöpfung im klassischen Sinne mehr vorliegt, ist die Idee der Autorschaft in der Tat in einer Zwickmühle angelangt, denn sie verhält sich dem Werk gegenüber flüchtig und ausweichend: Wer ist der Autor eines Buches, dessen Autor eigentlich ein anderer ist? Borges’ Pierre Menard lässt grüßen.

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LENZ (Büchner Mueller Graham Kraus)

  • Dagmara Kraus
  • ·
  • 2016-04-27
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Übersetzung als Aneignung, Ansetzung und Übereignung: Dagmara Kraus über ihr Appropriations-Projekt LENZ (Büchner Mueller Graham Kraus), der ersten »Übertragung« konzeptueller Literatur auf 0x0a, der noch weitere folgen werden.

Heißt es in Georg Büchners einziger Novelle, der in den Vogesen mit dem Wahnsinn ringende Sturm-und-Drang-Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz gehe »den Wald herauf« und, etwas weiter, »den Wald herab«, übersetzt C. R. Mueller beide Fälle einfach als »through the forest«. Rodney Graham nutzt diesen Glücksfall einer Übersetzungsungenauigkeit und greift an der Stelle ein, um die Wiederholung weitere Wiederholungen generieren zu lassen. Er setzt die drei Worte so über den Seitenumbruch, dass »through« jeweils auf der linken Seite des Buches steht, »the forest« auf der rechten. An das zweite »through« schließt allerdings nicht die Wortfolge der Originalerzählung an; stattdessen wird die dem Leser bereits bekannte Seite anmontiert, die zwar auch mit »the forest« beginnt, aber fortfährt wie eingangs: »and voices awakened on the rocky slopes, one moment like distant echoing thunder…« Hier beißt sich die Schlange in den Schwanz.

  • LENZ
  • Dagmara Kraus
  • 2016
  • 329147 Zeichen
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Subtitle Buoy

  • Gregor Weichbrodt
  • ·
  • 2016-04-09
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I wrote a bot that subtitles updated photos from a buoy in the Atlantic Ocean with trending topics from the web: https://twitter.com/subtitle_buoy

Behind the scenes the bot is looking up what people search for on Google at the moment (Google trends) and tries to match relevant sentences for a topic on Twitter. Most of the times the pieces of text are news headlines, occasionally spam or deliberately spread disinformation.

The imagery comes from the National Data Buoy Center.

It’s also a Tumblr: http://subtitlebuoy.tumblr.com

Gregor Weichbrodt: No Offense

  • Julia Pelta Feldman
  • ·
  • 2015-11-01
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Eine Version dieses Essays erschien im Programmheft von Gregor Weichbrodts Salon bei Room & Board am 29. Oktober 2015. Julia Pelta Feldman ist die Leiterin von Room & Board, einer Künstlerresidenz in Williamsburg, Brooklyn.

Gregor Weichbrodt besuchte vor einiger Zeit eine Bekannte in Berlin. Er wusste, dass sie des Öfteren internationale Gäste bei sich unterbringt, aber Weichbrodt, der die Dinge der Wohnung mit ihren eigenen Bezeichnungen beschriftet fand, fühlte sich dennoch mit einem Mal orientierungslos. Der Kühlschrank stand auf dem Kühlschrank; die Wand an der Wand. Natürlich waren diese Wörter da, um Besuchern beim Deutschlernen zu helfen, aber für den Muttersprachler Weichbrodt hatte diese Erfahrung eine surreale Qualität: Die redundanten Erklärungen entfremdeten ihn von diesen vertrauten, häuslichen Dingen.

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Bot Poetry at the SFPC

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2015-10-25
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Leider ist der Eintrag nur auf Amerikanisches Englisch verfügbar. Der Inhalt wird unten in einer verfügbaren Sprache angezeigt. Klicken Sie auf den Link, um die aktuelle Sprache zu ändern.

On Friday, hidden away in the West Village, one block from the Hudson, the very necessary School for Poetic Computation showcased a quickly growing branch of digital literature: bot poetry. The event had been organized last minute by Allison Parrish to make up for Darius Kazemi’s official bot summit that was put off until next year.

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Browser-Erweiterung: Theken Texte

  • Gregor Weichbrodt
  • ·
  • 2015-06-16
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Ich habe eine Erweiterung (Plugin) für den Chrome-Browser geschrieben, die die Untertitel-Scripte der ARD- und ZDF-Mediatheken im Ganzen zur Verfügung stellt und anzeigt. Zum einen als Fließtext, bei dem der Text in Sprecherrollen unterteilt wird. Zum anderen als SubRip- und XML-Untertitelformat (.srt und .xml).

Mit diesem Plugin wird nicht nur das Zitieren von Fernsehinhalten erleichtert. Auch wird der Zugriff auf eine Textressource vereinfacht, die prinzipiell für jeden verfügbar, in der Praxis allerdings schwer ausfindig zu machen ist: Untertitel.

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On the Road performance

  • Gregor Weichbrodt
  • ·
  • 2015-04-15
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Die Theatergruppe 14th Street aus Philadelphia, USA hat meinen On the Road-Text auf die Bühne gebracht. Regie und künstlerische Leitung übernahm Michael Durkin. Mehr Details auf der Facebook-Eventseite. Das Ergebnis lässt sich auch in vier Teilen auf Youtube betrachten. Wie es aussieht, werden im Moment weitere Auftritte geplant.

How to: Webscraping mit Kimono

  • Gregor Weichbrodt
  • ·
  • 2015-03-23
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Bei 0x0a entstehen viele Texte, die als Ausgangsmaterial große Textdatensätze, sogenannte Korpora, verwenden. Ein Korpus kann mit der Methode des „Webscraping“ auf einfachen Weg selbst erstellt werden. Für Chicken Infinite – eine Kochanleitung auf 532 Seiten – wurde ein Textkorpus aus Kochrezepten aus dem Internet zusammengetragen. Benutzt wurde hierbei der Webscraper Kimono, den ich heute vorstelle.

Kimono von kimonolabs bietet eine benutzerfreundliche Möglichkeit, Webseiteninhalte strukturiert abzugreifen. So lassen sich ohne Programmierkenntnisse große Textsammlungen anlegen. Besonders sinnvoll erscheint dieser Service auch, wenn Webseiten keine API (dt. Programmierschnittstelle) anbieten, um Daten auf komfortablen Weg zu übertragen. Man baut sich einfach seine eigene API und erhält als Output eine JSON-, RSS- oder CSV-Datei mit dem gewünschten Text der Website.

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