Aktuell

Neuer Titel: Farcen-Generator

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2021-11-24
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Weisheit und WiederholungIn der Reihe 0x0a / Frohmann Verlag ist ein weitere Übersetzung internationaler generativer Literatur erschienen: Lillian-Yvonne Bertrams Gedichtband Farcen-Generator, der 2019 als Travesty Generator bei Noemi Press veröffentlicht wurde.

Hannes Bajohr hat es übersetzt und mit Bertram gesprochen:

Was ist Farcen-Generator? Wie steht das Buch zu deinen anderen Arbeiten?

Farcen-Generator ist genau genommen mein vierter richtiger Band mit Gedichten und anderen Texten. Keines meiner früheren Bücher funktioniert generativ – aber alle meine Bücher sind von einem Innovations- und Experimentiergeist geprägt. In diesem Sinne sind Rechenvorgänge zwar nicht unbedingt Teil meiner früheren Bücher, aber Algorithmen, Kombinationen und Versuchsanordnungen mit mathematischen Prozessen sind Teil meiner Arbeit und waren es von Anfang an. Meine früheren Bücher ›sehen‹ also nicht nach Computern aus, aber es gibt darin Gedichte, die aus einem rechnerischen und algorithmischen Denken stammen; Farcen-Generator ist eine Weiterentwicklung der experimentellen Affinitäten in meiner gesamten Arbeit.

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Akademie für Lyrikkritik: Poesie im Digitalen

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2021-10-19
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Die „Akademie für Lyrikkritik“ hat im zweiten Halbjahr 2021 einen Workshop zur Digitalen Lyrik abgehalten; die Ergebnisse sind nun in Videoform erschienen. Dabei sind 0x0a-Titel, aber auch befreundete, mit digitaler Sprache arbeitende Literat:innen:

Neuer Titel: Selbstgespräche mit einer KI

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2021-08-04
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Selbstgespräche mit einer KISeit einigen Jahren florieren computergenerierte Artefakte, vornehmlich solche, die mittels KI erzeugt wurden. Waren es zunächst Bilder und Videos, die für Aufsehen sorgten, wird zunehmend über maschinelle Sprachmodelle diskutiert, die zur Analyse und Synthese von Texten genutzt werden. Beides trägt bei zur maschinell gestützten Wirklichkeitskonstruktion. Dabei verändern wir nicht nur unsere Welt sondern auch uns selbst: Neue Formen der Selbstbeschreibung entstehen. Mattis Kuhns Buch Selbstgespräche mit einer KI versucht diese Entwicklungen in der Auseinandersetzung mit (ausführbarem) Text zu realisieren, sowohl durch Analyse und Reflexion als auch durch Synthese und Poesie.

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Neuer Titel: Weisheit und Wiederholung

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2021-03-30
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Weisheit und Wiederholung»Und« verbindet und trennt, koordiniert und hält auf Abstand. Doch bleibt das Verhältnis zwischen zwei durch »und« gekoppelten Termen ambivalent, kann sowohl Zusammengehörigkeit wie Gegensatz ausdrücken. Vielleicht dieser Vagheit wegen sind sie als Titel vor allem für philosophisch-literarische Großwerke populär: Sein und Zeit, Wirtschaft und Gesellschaft, Kritik und Krise, Mohn und Gedächtnis.

Aber noch ist nicht alles gesagt. Was ist mit Mohn und Zeit, Wirtschaft und Kritik, Sein und Krise? Es bleibt auch für zukünftige Diskursgrößen viel zu tun. Das Kompendium Weisheit und Wiederholung versammelt die Titel von 104.052 noch zu schreibenden Büchern: Eine To-do-Liste intellektueller Selbstbeschäftigung, erstellt durch alle möglichen Permutationen der von Hendrikje Schauer und Marcel Lepper gesammelten Titelpaare (Works & Nights, 2018).

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Neue Titel: Poetisch denken, Band 1-4

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2020-06-26
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Deep Dreaming der Lyrik: Poetisch denken hieß ein Buch von Christian Metz über vier Dichter*innen, die für ihn die Lyrik der letzten zwanzig Jahre wesentlich bestimmt haben: Monika Rinck, Jan Wagner, Ann Cotten und Steffen Popp. Poetisch denken heißt auch diese Sammlung, die je ein neues Buch von Rinck, Wagner, Cotten und Popp enthält, generiert mit dem neuronalen Netz GPT-2 und auf Grundlage aller in Metz’ Buch erwähnten Titel. 

 

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Neuer Titel: Vom Unterauftrag

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2020-06-10
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Es geht weiter mit konzeptuellen Titeln in Übersetzung: Diesmal ist es Nick Thurstons Vom Unterauftrag. Für das Buch ließ Thurston Gedichte über Amazon Mechanical Turk schreiben, den Mikrodienstleistungsservice von Amazon, bei dem Freischaffende für Centbeträge Kleinstaufträge ausführen. Als Kommentar zum Computerkapitalismus macht er jene »künstlichen künstlichen Intelligenz« literarisch fruchtbar, die nur Platzhalter für die noch nicht ausgereifte KI ist, die sie einmal ersetzen wird. Für 0x0a hat Nick Thurston sein Buch per Google Translate selbst übersetzt, einschließlich des »Vorworts« von McKenzie Wark und des Nachworts von Darren Wershler.

Auf dem Poesiefestival 2020 stellte Thurston sein Buch vor (auch dabei: Kathrin Passig und Alvaro Seiça), eingeführt von 0x0a-Mitglied Hannes Bajohr und kuratiert von Annette Gilbert:

Das Buch gibt es bei uns und im Frohmann Verlag.

Neuer Titel: Megawatt

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2019-07-06
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0x0a freut sich, einen neuen Titel in der »Weißen Reihe« in Kooperation mit dem Frohmann-Verlag präsentieren zu können: Nick Montforts Megawatt. Ein deterministisch-computergenerierter Roman, Passagen aus Samuel Becketts Watt erweiternd.

Megawatt ist Rekonstruktion und Steigerung von Samuel Becketts hochartifiziellem Roman Watt in einem. Autor und Programmierer Nick Montfort wählte aus der Vorlage Passagen mit systematischen Manierismen aus und ließ sie durch ein Python-Skript simulieren. Doch statt diese Passagen nur zu wiederholen – obwohl der Megawatt-Code auch dazu verwendet werden kann –, werden sie vielmehr intensiviert. So erzeugt Montfort mit den gleichen Methoden wie Beckett deutlich mehr Text als im ohnehin schon exzessiven Original zu finden ist: Aus Watt wird Megawatt. Dem Roman ist das Skript angehängt, mit dem er erzeugt wurde; die Übersetzung durch Hannes Bajohr erfolgt ebenfalls im Code.

Megawatt ist nicht die erste Übersetzung, die bei 0x0a erscheint. Bereits Dagmara Kraus’ LENZ war eine Art der konzeptuellen Übertragung, eine »Übersetzung à rebours«. Statt Rodney Grahams konzeptuelle Verarbeitung von Büchner’s Lenz direkt und Wort für Wort zu übertragen, übertrug sie das Konzept. Bei Megawatt war statt des Konzepts der Code zu übertragen, doch die erste Übersetzung von Watt ins Deutsche, die Elmar Tophoven 1970 für Suhrkamp besorgte, ist auch hier noch vorhanden. In den in Python verarbeiteten Fragmenten wird sie gedreht, gewendet, iteriert und rekursiv wiederholt: Und die arme alte, lausige Erde, die meine und die meines Vaters und meiner Mutter und der Mutter meiner Mutter und des Vaters meiner Mutter und der Mutter meines Vaters und des Vaters meines Vaters und der Mutter der Mutter meiner Mutter und …

Mehr zu Megawatt und dem ursprünglichen Entstehungskontext in diesem Beitrag von 2015.

Datenpoesie

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2018-04-23
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[Der folgende Text erschien am 27.2.2018 in der NZZ unter dem Titel »Unermüdlich dichtet das Maschinchen«.]

Digitale Literatur – was war das noch? Damals, tief in den neunziger Jahren, schwärmten Literaturwissenschaftler von der Hyperfiktion, von Texten ohne Zentrum, durch die sich der Leser selbst seine Pfade schlagen und per Link beliebig von Abschnitt zu Abschnitt gelangen konnte. Was aber einigen als Zukunft der Literatur erschien – in der sich vor allem liebgewonnene Konzepte der Postmoderne wiederfinden ließen –, war bald zu einem Genre ohne Leser und, schlimmer noch, ohne Produzenten geworden. Es gibt sie nicht mehr.

Und heute? Müsste in Zeiten der Digitalisierung die digitale Literatur nicht eigentlich das zentrale Genre der Gegenwart sein? In der Tat gibt es heute eine quicklebendige, aber nur wenig beachtete Szene. Anders als damals geht es nicht mehr darum, mehr oder minder konventionelle Texte durch Linkverzweigungen ihrer Linearität zu berauben. Heute wird der Computer selbst zum Textproduzenten. Das Ergebnis ist eine ganz andere Literatur, die von den Bedingungen des Digitalen erzählt, wie es ein klassischer Realismus nie könnte.

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Bots unter Generalverdacht

  • Gregor Weichbrodt
  • ·
  • 2017-01-12
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Bots haben Trump zum Wahlsieg verholfen, Bots gefährden die Demokratie, Bots sind böse, lese ich überall. Dabei könnten diese Aussagen selbst von einem Bot stammen. Mal ganz von vorn: Was sind Bots überhaupt?

[Dieser Text erschien zuerst auf Krautreporter am 1. Dezember 2016.]

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Vom Geist und den Maschinen

  • Hannes Bajohr
  • ·
  • 2016-07-06
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[Dieser Text erschien zuerst auf dem Suhrkamp-Blog Logbuch Suhrkamp.]

Im letzten Jahr stellten Swantje Lichtenstein und Tom Lingnau einer Reihe von Autoren die Frage: Is the artist necessary for making art today? Was am Ende ein schmales Büchlein wurde, nahm seinen Ausgang mit dem Projekt Covertext, das sich dem Konzeptualismus und der Appropriation in der Literatur widmet. Vor diesem Hintergrund also wurde die Frage formuliert, welche Verbindung noch zwischen Künstler und Kunst besteht –, denn wenn in der konzeptuellen Literatur die Idee wichtiger als die Ausführung ist und wenn im reinen Sichaneignen und Kopieren fremden Materials keine Schöpfung im klassischen Sinne mehr vorliegt, ist die Idee der Autorschaft in der Tat in einer Zwickmühle angelangt, denn sie verhält sich dem Werk gegenüber flüchtig und ausweichend: Wer ist der Autor eines Buches, dessen Autor eigentlich ein anderer ist? Borges’ Pierre Menard lässt grüßen.

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